


„Dem Bildungs- und Erziehungsauftrag des Gymnasiums entsprechend fokussiert dieWissenschaftswoche die fachspezifisch und fächerübergreifend vertiefte Bildung sowie die wissenschaftspropädeutische Ausrichtung des gymnasialen Arbeitens. Die Schüler sollen sich dabei an einem konkreten Beispiel über die vielfältigen Möglichkeiten der Weltbegegnung bewusst werden […]“ (Zitat aus ISB-Broschüre)
Ganz im Sinne dieses Zitats versuchten sich die Schüler der 11. Klassen im Kontext der so genannten Wissenschaftswoche an genau solchem „wissenschaftspropädeutischen“ Arbeiten. Die Veranstaltung, bei der die reguläre Unterrichtssituation für eine Woche aufgelöst wird, ging heuer bereits in die dritte Runde – organisiert von OStR Angelika Schaub-Weishäupl. Das angesprochene „konkrete Beispiel“ fand sich dann im diesjährigen Rahmenthema „Heimat“ wieder, das von den einzelnen Fächern in passenden Untersuchungsschwerpunkten und Fragestellungen beleuchtet wurde.
Die Bandbreite der Themen war dabei wieder sehr groß und vielfältig – so vielfältig wie der Fächerkanon am Gymnasium: Glas – Material unserer Heimat (Kunst), Geologie im Bayerischen Wald (Geographie), Heimat und Arbeitsmarkt – Perspektiven der Jugendlichen (Wirtschaft und Recht), Migration und Heimatgefühl im Landkreis Freyung-Grafenau (Geschichte), „local fake news going global“ – how to produce and publish local fake news (Englisch), Fake News, eine Gefahr für die Demokratie? – Eine Untersuchung an konkreten Beispielen (Politik und Gesellschaft), Musik der Heimat zwischen Tradition und Moderne (Musik), Von der Maische zum Hochprozentigen – Chemische Grundlagen der Bier- und Spirituosenherstellung im Bayerischen Wald (Chemie), „D’Mescha brauchan a neis Gwandt“: Stirbt der bairische Wortschatz aus? (Deutsch) – so lauteten die Untersuchungsschwerpunkte der Leitfächer, die einen differenzierten Blick auf das Rahmenthema „Heimat“ ermöglichen sollten.
Den prominenten Auftakt der Wissenschaftswoche bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Lars Bülow, Lehrstuhlinhaber für Germanistische Linguistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bülow gab einen Einblick in seine beeindruckende wissenschaftliche Laufbahn, die ihn ausgehend von der Universität Passau bereits nach Salzburg, Groningen, Cambridge, Modena und Istanbul geführt hat. Zudem lieferte er einen kurzen Überblick über seine Forschungsschwerpunkte in der Deutschen Sprachwissenschaft (u.a. Sprache in den Sozialen Medien, Sprache im Recht, Dialektologie) und ging dann näher auf den Sprachwandel und Varietäten des Deutschen ein. Den Fokus legte Bölow – passend zum Rahmenthema „Heimat“ – anschließend auf den „Dialekt“. Besonderes Interesse bei den Schülern fand dabei die Vorstellung der mittlerweile durch die Medien einer breiten Öffentlichkeit bekannt gewordenen Dialekt-App Bayern „DaBay“. Hier wird auf der Basis eines „Citizen-Science-Ansatzes“ per App eine Neuerhebung der heutigen dialektalen Variation im Alltag in Bayern und ein Vergleich mit älteren dialektologischen Daten vorgenommen – laut Bülow eine sehr ressourcenschonde Methode. “Womit hängst du deine Wäsche auf?“ oder „Wie bezeichnest du in deinem Dialekt die abgebildete, verholzte Frucht der Tanne bzw. Fichte?“ – dies sind nur zwei der 1.222 Fragen, die seit Mai 2025 per App beantwortet werden können. Und das kommt scheinbar bei den bayerischen Nutzern an: Bisher gaben knapp 20.000 Teilnehmer über 1,2 Mio. Antworten.
Die Jugendlichen nahmen den Vortrag dann zum Anlass, um dem Professor Fragen in Bezug auf das wissenschaftliche Arbeiten, zum Beispiel zum Zitieren, zu stellen. Auch die aktuelle Thematik KI und wie sich diese auf den Bereich der Germanistik auswirkt, wurde angesprochen.
Nach der Theorie folgte die Praxis für die jungen Wissenschaftler. In Schülerteams bearbeiteten sie im Laufe der Woche ihre Themen selbstständig, experimentierten, recherchierten und befragten Mitglieder der Schulfamilie und auch von außerhalb. Die Ergebnisse wurden schließlich in die Form eine sog. Wissenschaftsposters gebracht und am Ende der Woche den anderen Schülerteams bzw. den 10. Klassen, ihren Nachfolgern im nächsten Jahr, in einem „gallery-walk“ präsentiert. So wurde in der Aula schon rein optisch der vielfälige Blick auf das Rahmenthema „Heimat“ augenscheinlich.
Eine Jury-Bewertung und die Umfrage unter allen beteiligten Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse brachte schließlich einen Gewinner hervor: Die jungen Wissenschaftler, die sich in Chemie mit dem „Hochprozentigen“ in ihrer Heimat beschäftigt hatten, konnten am meisten überzeugen.
Neben dem Einblick ins wissenschaftliche Arbeiten, das in der 12. Jahrgangsstufe in Form der W-Seminare fortgeführt wird, muss vor allem das große Engagement der Jugendlichen, die anschaulichen und professionell gestalteten Poster und ihre selbtsbewussten Präsentationen als Fazit hervorgehoben werden. So waren dann auch die Schülerinnen und Schüler nach eigenen Angaben sehr angetan von dieser besonderen Schulwoche. Und eventuell startet dann ja der ein oder andere Abiturient später auch eine wissenschaftliche Karriere.
Noch ein abschließender Hinweis:
Heißt es nun „Wäscheklammer“, „Klupperl“ oder „Zwickerl“?
Machen Sie gerne mit und leisten Sie einen Beitrag zur dialektalen Forschung!
