Vortrag am JGG zur Organspende mit leitendem Oberarzt und Facharzt für Anästhesiologie Dr. med. Christoph Fiegl

Das Thema Organspende ist mit vielen Fragen, Unsicherheiten und auch Ängsten verbunden. Im Jahr 2024 gab es in Deutschland 2.855 postmortal gespendete Organe. Gleichzeitig warten hierzulande 8.260 Menschen auf ein Spenderorgan – ein deutlicher Hinweis darauf, wie groß der Bedarf ist. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Spenderzahlen auf den hinteren Plätzen. Dies zeigt, wie wichtig eine umfassende und sachliche Aufklärung ist.
Aus diesem Grund lud die Lehrkraft Marion Seitz den Referenten Dr. med. Christoph Fiegl an das Johannes-Gutenberg-Gymnasium ein. Der Mediziner ist leitender Oberarzt und Facharzt für Anästhesiologie mit den Zusatzbezeichnungen Notfallmedizin sowie spezielle anästhesiologische Intensivmedizin am Klinikum Passau. „Wir sind sehr dankbar, dass wir einen so hochkarätigen Gast für diesen Vortrag gewinnen konnten und er sich so viel Zeit für unsere Schülerinnen und Schüler nahm.“, freuen sich die Religionslehrerinnen Marion Seitz und Ines Bauer.
Der Arzt informierte die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Klassen 11a und 11b umfassend über medizinische und organisatorische Hintergründe der Organ- und Gewebespende. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen zentrale Fragen und Themen wie:
Welche Organe und Gewebe können gespendet werden?
Welche Voraussetzungen für Organspende in Deutschland gibt es?
Wie ist die Organ- und Gewebespende in Deutschland gesetzlich geregelt?
Wie läuft die Organspende konkret ab?
Welche Missverständnisse sind in der Bevölkerung weit verbreitet?
Welche Regeln gelten für mich, wenn ich im Auslandsurlaub bin (z. B. im Nachbarland Österreich)?
Welche neueren Entwicklungen gibt es, z. B. seit 2024 Organspende-Register?
Für die Organspende gilt in Deutschland aktuell die Entscheidungslösung, d. h. Organe und Gewebe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten zugestimmt hat. Liegt keine Entscheidung vor, werden die Angehörigen befragt. Diskutiert wird in der Politik immer wieder – die in anderen Ländern bereits weit verbreitete – Widerspruchslösung, bei der eine postmortale Organspende nur durch Widerspruch abgelehnt werden kann.
Die katholische und die evangelische Kirche sehen die Bereitschaft zur Organspende als einen Akt der Nächstenliebe. „Es geht uns im Religionsunterricht nicht darum, den Jugendlichen eine Meinung aufzudrängen, sondern der Vortag soll informieren und helfen, eine reflektierte Entscheidung zu treffen.“, so Seitz.
Besonderen Anklang fand die anschließende Fragerunde, in der sich der erfahrene Mediziner sehr viel Zeit für die zahlreichen Fragen der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten nahm. Interessant war beispielsweise auch zu erfahren, dass im U.S.-amerikanischen Führerschein ein kleines Herz unter dem Lichtbild die Organspendebereitschaft symbolisiert.
Der Vortrag, welcher am 17. November stattfand, dürfte viele Jugendliche dazu angeregt haben, sich intensiver mit der eigenen Haltung zur Organspende auseinanderzusetzen. (Marion Seitz)