
Drei Tage lang tauschten die Schülerinnen und Schüler des Leistungsfachs sowie des Grundkurses Geographie der Q12 am Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen das Klassenzimmer gegen die alpine Landschaft der österreichischen Alpen. Ziel der Exkursion nach Saalbach-Hinterglemm war es, geographische Inhalte nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern unmittelbar vor Ort zu erleben und zu analysieren.
Bereits am frühen Montagmorgen machte sich die Reisegruppe mit den Kursleiterinnen OStRin Haeuschkel und OStRin Süßke sowie StD Müller und Geographiestudent Elias Wandl auf den Weg nach Österreich. Erster Halt waren die Krimmler Wasserfälle im Nationalpark Hohe Tauern. Mit einer Gesamthöhe von 380 Metern zählen sie zu den höchsten Wasserfällen Europas und bieten zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für die formende Kraft des Wassers. Während der Besichtigung wurden die Entstehung der Wasserfälle sowie die geologischen Besonderheiten der Region erläutert. Dabei rückte insbesondere die Lage innerhalb der Zentralalpen in den Fokus, deren Untergrund überwiegend aus kristallinen Gesteinen wie Gneis besteht. Die vor Ort sichtbaren Erosionsprozesse machten deutlich, wie stark Wasser die Landschaft über Jahrtausende hinweg geprägt hat.
Nach ca. 400 zurückgelegten Höhenmetern erreichte die Gruppe im späten Nachmittag das Jugendgästehaus Hinterronach in Saalbach-Hinterglemm, das auf rund 1.000 Metern Höhe im Salzburger Pinzgau liegt. Der bekannte Wintersportort bildete in den folgenden Tagen den Ausgangspunkt für weitere Exkursionen in die alpine Umgebung.
Der zweite Tag führte die Schülerinnen und Schüler zu den Kapruner Stauseen am Mooserboden. Auf etwa 2.040 Metern Höhe gelegen, zählen diese Anlagen zu den bedeutendsten Wasserkraftprojekten Österreichs. Unter fachkundiger Begleitung erhielten die Teilnehmenden sowohl von außen als auch im Inneren der Staumauer selbst Einblicke in die Funktionsweise der Energiegewinnung aus Wasserkraft sowie in die technischen Herausforderungen, die mit dem Bau und Betrieb der Stauseen im Hochgebirge verbunden sind. Tourguide Thomas hatte hierbei immerzu eindrucksvolle Vergleiche parat: So hat alleine der obere der beiden Stauseen ein Fassungsvermögen von 80 Milliarden Liter, was der Biermenge für ca. 12 000 Oktoberfeste entspricht und die Menge an Beton, die zur Errichtung der Staumauern verwendet wurde, reiche aus, um eine kleine Stadt zu bauen. Dabei wurde auch deutlich, welche Rolle die natürlichen Gegebenheiten der Alpen letzten Endes für die nachhaltige Stromerzeugung spielen.
Am Nachmittag verlagerte sich der Schwerpunkt dann von der technischen zur physischen Geographie. Bei einer Wanderung durch die Vorderkaserklamm konnten zahlreiche Prozesse beobachtet werden, die man bereits aus dem Unterricht kennt. Die enge Schlucht mit ihren Wasserfällen veranschaulichte auf beeindruckende Weise die Wirkung von Erosion und Verwitterung. Darüber hinaus bot sich die Gelegenheit, die unterschiedlichen geologischen Strukturen der Alpenräume miteinander zu vergleichen. Während nämlich die Zentralalpen von kristallinen Gesteinen geprägt werden, so dominieren in den nördlichen Kalkalpen Kalk- und Dolomitgesteine, deren Löslichkeit im Endeffekt zur Ausbildung charakteristischer Karstformen und Schluchten beiträgt.
Zum Abschluss der Exkursion stand am Mittwoch eine Fahrt mit der Gondelbahn auf den Kohlmaiskopf auf rund 1800 Höhenmeter an. Von dort aus führte die Wanderung über den Saalbacher Höhenweg zurück ins Tal. Dabei standen neben weiten Ausblicken auf die umliegende Bergwelt vor allem wirtschafts- und klimageographische Fragestellungen im Mittelpunkt. So wurde die Bedeutung des Tourismus als zentraler Wirtschaftsfaktor der Region ebenso thematisiert wie die Funktion von Speicherseen für die künstliche Beschneiung der Skipisten im Winter. So wurde gleichzeitig aufgezeigt, vor welchen Herausforderungen alpine Tourismusgebiete angesichts steigender Temperaturen und den damit verbundenen, zunehmend unsicheren Schneeverhältnissen stehen.
Im Verlauf der Exkursion wurde somit insgesamt immer wieder deutlich, wie eng natürliche Voraussetzungen und menschliche Nutzung miteinander verknüpft sind und vor allem, wie diese in Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit verknüpft sein sollten bzw. müssen. Des Weiteren konnten – ob Wasserkraft, Tourismus oder Landschaftsentwicklung – zahlreiche geographische Zusammenhänge direkt im Gelände nachvollzogen und erfahrbar gemacht werden. Damit erwies sich die Fahrt nicht nur als wertvolle Ergänzung zum Unterricht, sondern auch als Gelegenheit, theoretisches Wissen anhand konkreter Beispiele zu vertiefen und die Vielfalt des Alpenraums aus nächster Nähe kennenzulernen. (Johannes Hoffmeister, Vincent Mauritz, Q12)