„Freiheit auf der Bühne“ – Kreativer „Fidelio“-Workshop macht Musiktheater hautnah erlebbar

Die Schülerinnen und Schüler eröffneten den Abend mit einer Tanzeinlage
Gennadii Merezhko und Alrun Sawallisch präsentieren einen Ausschnitt aus einer Operette von Franz Lehár

Mit viel Spielfreude, Bewegung und musikalischer Präzision widmete sich ein intensiver Workshop dem Musiktheater rund um Beethovens Fidelio. Unter der Leitung des Regisseurs Michael Sturm arbeiteten junge Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit der Korrepetitorin Tatiana Šverko an Szenen, Ausdruck und Bühnenpräsenz – stets mit dem Ziel, Musik, Sprache und Körperarbeit zu verbinden. Ermöglicht wurde das Projekt durch Mittel aus dem Förderprogramm „Kulturschule Bayern“, an dem das Johannes-Gutenberg-Gymnasium seit dem Schuljahr 2023/24 teilnimmt. Das bayernweite Programm unterstützt Schulen dabei, kulturelle Bildung nachhaltig im Schulalltag zu verankern und Projekte mit externen Künstlerinnen und Künstlern zu realisieren.

Eine ungewöhnliche Aufwärmübung lockerte zu Beginn des Workshops die Atmosphäre: Jede Person durfte nur ein einzelnes Wort sprechen, aus denen sich spontan Sätze entwickelten. Wer zu lange zögerte, schied aus – eine spielerische Methode, die Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Ensemblegefühl stärkte.

Im Mittelpunkt der szenischen Erarbeitung standen Tanzsequenzen und körperliche Improvisationen. Die beiden Gesangsstudenten, Sopranistin Alrun Sawallisch und Tenor Gennadii Merezhko, sangen teils gemeinsam mit den ihnen zugeteilten Schülergruppen, teils übernahmen die Workshopteilnehmer ihre Haltungen und Bewegungen, um Ausdruck und Bühnenpräsenz unmittelbar nachzuempfinden. So wurde Musiktheater nicht nur gehört, sondern körperlich erlebt.

Michael Sturm (r.) erläutert die Duettszene aus Fidelio mit den Solisten Gennadii Merezhko (m.) und Alrun Sawallisch (l.)

Sawallisch, die seit 2024 an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar studiert, bringt bereits Bühnenerfahrung aus Oper und Operette mit und wurde zuletzt mehrfach gefördert. Merezhko überzeugte mit warmem, lyrischem Tenorklang und intensiver Darstellung. Am Klavier begleitete Tatiana Šverko, eine international erfahrene Musikerin und Pädagogin aus Istrien, die heute in Niederbayern tätig ist. Regisseur Michael Sturm, der an zahlreichen europäischen Opernhäusern gearbeitet hat, setzte im Workshop auf eine Mischung aus Improvisation, Diskussion und präziser Szenenarbeit.

Am Abend wurden die im Workshop entstandenen Ergebnisse in ein Konzert eingebettet. Zu Beginn des Konzerts erklärte Michael Sturm die Handlung der Oper und eröffnete damit einen verständlichen Zugang zum Werk. Das Publikum saß dabei ungewöhnlicherweise direkt auf der Bühne und erlebte die musikalischen und szenischen Beiträge aus nächster Nähe. Interviews mit den beiden Sängern sowie weitere Szenen aus Operetten von Franz Lehár – darunter „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus Giuditta und „Gern hab’ ich die Frauen geküsst“ aus Paganini – vermittelten einen besonders lebendigen Eindruck von der Vielseitigkeit des Musiktheaters. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Moment, bei dem sich die Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum endgültig auflöste: Zu einer Cover-Version von „Maria Maria“ tanzte schließlich das gesamte Publikum mit und ließ den Workshop in fröhlicher, verbindender Atmosphäre ausklingen.

Gennadii Merezhko beim Workshop mit den Schülern
Alrun Sawallisch beim Workshop mit den Schülerinnen