Schnee, Söder und wieder ganz viel Schnee

Schüleraustausch des JGG mit dem Lycée Notre Dame in Le Mans

„Ah, la neige!“ – Dieser Ausruf könnte schon beinahe als Leitmotto für den Schüleraustausch zwischen dem Johannes-Gutenberg-Gymnasium und dem Lycée Notre Dame in Le Mans stehen. Denn der Schnee war es, der die Gäste aus Frankreich über die Tage ihres Aufenthalts im Bayerischen Wald hinweg treu begleitete, obwohl der meteorologische Frühlingsbeginn eigentlich auf Besseres hoffen ließ. Aber bereits pünktlich zur Begrüßung der französischen Austauschschüler durch Oberstudiendirektorin Josefa Stamm hatte es am Montagmorgen in dicken Flocken zu schneien begonnen. Die Besucher aus Le Mans zeigten sich begeistert, zumal sie die weiße Pracht in ihrer Heimatstadt zwei Autostunden westlich von Paris nur äußerst selten zu Gesicht bekommen  – und sie ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie noch öfter die Gelegenheit haben sollten, den Schnee intensiv kennen zu lernen.

Die Franzosen hatten zuvor das Wochenende in ihren Gastfamilien verbracht und bereits die Zeit genutzt, Waldkirchen zu erkunden, bevor es dann am Montag galt, den bayerischen Schulalltag mitzuerleben. Dieser unterscheidet sich zum Teil beträchtlich von dem eigenen: Eine französische Schulstunde dauert 55 Minuten und eine Klassenstärke von 35 Schülern ist am Lycée völlig normal, wie die französischen Gäste den erstaunten Waldkirchenern berichteten .

Nach diesem aufschlussreichen und arbeitsamen Schultag stand dann am nächsten Tag ein Ausflug in die Landeshauptstadt auf dem Programm. Diese begrüßte die Gäste mit einem strahlend weiß-blauen Himmel, sodass die Familien in der Heimat sicherlich beeindruckende Fotos von den wichtigsten Münchener Sehenswürdigkeiten wie der Frauenkirche erreichten. Und wie es der Zufall wollte, traf die Gruppe auf ihrem Stadtrundgang auch noch auf den Ministerpräsidenten Markus Söder, der aber umringt von seinen Sicherheitsleuten ganz auf sein Smartphone konzentriert war und die binationale Gruppe leider nicht wahrnahm.

Dafür wurden die französischen Gäste am folgenden Tag umso aufmerksamer vom Waldkirchener Rathauschef, Bürgermeister Heinz Pollak, offiziell in der Stadt begrüßt und bei einem kleinen Empfang im Sitzungssaal der Stadt nicht nur über die wichtigsten Fakten zu ihrer vorübergehenden Heimat informiert. Die Besucher aus Le Mans wurden außerdem reich beschenkt und durften eine Kostprobe der Stadtschokolade, ein Buch über Waldkirchen und andere Aufmerksamkeiten einpacken, mit denen sie – wieder zu Hause in Frankreich – sicherlich Werbung für die Bayerwaldstadt machen werden.

Der Donnerstag stand im Zeichen des Bayerischen Waldes und die Wettervorhersage hatte es schon ahnen lassen: Dieser zeigte sich von seiner besten Seite und hatte als Überraschung im März noch einmal eine nicht unerhebliche Menge von Neuschnee parat, als die Gruppe sich auf den Weg zum Baumwipfelpfad in Neuschönau machte. „ Bei uns würde gar nichts mehr gehen“, versicherten die französischen Gäste etwas besorgt angesichts der schneebedeckten Fahrbahnen. Sie gelangten aber natürlich sicher ans Ziel und nutzten die Rückkehr des Winters für eine ausgiebige Schneeballschlacht. Ein Besuch im Museum Goldener Steig und eine Stadtführung durch Waldkirchen, die die deutschen Schüler vorbereitet hatten, rundeten den Tag ab. Als den Gästen aus Le Mans am Marktplatz die Funktion der Radabweiser erläutert wurde, konnten sie berichten, dass derartige Steine auch in der Altstadt von Le Mans zu finden seien, nur eben bei weitem nicht so künstlerisch gestaltet wie die niederbayerischen Exemplare.

Der letzte Tag führte die Gruppe noch nach Passau, wo die Geschichte der Stadt erkundet wurde, man sich aber auch mit der Zukunft auseinandersetzen konnte. Denn die Schüler trafen bei ihrer Stadttour am  Ludwigsplatz auf die „Fridays for Future“-Demonstration – und die Franzosen zögerten nicht lange, ihren Beitrag zu leisten und ergriffen das Mikrofon. „Nous sommes français, nous sommes avec vous!“, versicherten sie den deutschen Demonstranten grenzüberschreitend ihre Solidarität.

Nach einer ereignisreichen Woche flossen beim Abschied am folgenden Tag sogar Tränen, obwohl das Wiedersehen nicht lange auf sich warten lässt. Bereits zwei Wochen später wird eine Gruppe von JGGlern nach Le Mans aufbrechen und sicherlich viele spannende Geschichten mit nach Hause bringen – vom Schnee werden sie aber bestimmt nicht berichten. Der Schüleraustausch mit dem Französischen Le Mans konnte heuer zum ersten Mal vom Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen angeboten werden, und zwar in Kooperation mit dem Adalbert-Stifter-Gymnasium Passau, wo der Austausch schon seit einigen Jahren läuft. Um den reibungsfreien Ablauf vor Ort kümmerten sich die Französischlehrerinnen Heike Schneider und Nadiane Kreipl.