Molière wäre beeindruckt: Theater am JGG

Egal ob auf der Bühne oder beim organisatorischen Drumherum: Was die Theater­gruppe des JGG bei der Aufführung der Molière-Komödie „Der eingebildete Kranke“ geboten hat, kann sich wahrlich sehen lassen. Das Ensemble – Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12 unter Leitung ihrer Lehrerin Maria Kölbl – erhielt dafür nach beiden Vorführungen den gebührenden Applaus des sichtlich beeindruckten Publikums.

Bei dem Stück, das in souveräner Manier auf die Bühne gebracht wurde, handelt es sich um einen echten Klassiker. „Der eingebildete Kranke“ lässt die Zuschauer eintauchen in das Paris des 17. Jahr­hunderts und setzt sich auf leichtfertige Weise mit den großen Motivbereichen Liebe, Krankheit und Tod auseinander, die komödiantisch miteinander verwoben sind und von den JGG-lern gelegentlich auch etwas frei interpretiert wurden. So durften Anspielungen auf die gesundheitspolitische Tagesrealität im Deutschland des Jahres 2019 ebenso wenig fehlen wie der Einsatz moderner Medien, etwa als der Notar de Bonnefoy erscheint, um auf dem Notebook ein Testament zu verfassen.  

Argan (Franz-Josef Biebl), seine zweite Ehefrau Béline (Romy Meier) und das Dienstmädchen Toinette (Anna Zuppan)

Im Mittelpunkt des Bühnen­geschehens aber steht der „Malade imaginaire“ – wörtlich übersetzt der „vermeintlich Kranke“ – Argan, ein äußerst wohlhabender, jedoch ausschließlich in Schlafrock und Pantoffeln anzutreffender Kaufmann, meisterlich gespielt von Franz-Josef Biebl (Q11). Nahezu manisch lechzt er nach Medikamenten, allen voran Klistier-Gaben zur Darmentleerung, für teures Geld verabreicht von Arzt Purgon (Merline Heynen, Q11) und Apotheker Fleurant (Andreas Seibold, 10b). Aus reinem Eigennutz beschließt Argan, dass sein bezauberndes Töchterchen Angélique, charmant gespielt von Viktoria Reischl (Q11), Purgons Neffe und Jung-Arzt Thomas Diafoirus (Gregory Schranz, 10b) heiraten muss. Dieser jedoch, völlig vertrottelt, schusselig und ohne die Gegenwart seiner sehr von sich und ihrem Sohn überzeugten Mutter (Romy Meier, Q11) kaum lebensfähig, erweckt in Angélique eher Abscheu als Zuneigung. Zudem hat sie ihr Herz bereits dem attraktiven Cléante (Raphael Schätzl, Q11) versprochen, was den Vater entzürnt. Argans zweite Ehefrau Béline (Magdalena Völtl, Q11), die sich vor allem für das Geld des Gatten interessiert, hat darüber hinaus ganz andere Pläne für ihre Stieftöchter Angélique und Louison (Romy Meier): Beide sollen doch bitteschön ins Kloster gesteckt werden, um dereinst keine Erbansprüche stellen zu können.

Jung-Mediziner Thomas (Gregory Schranz) betet Angélique an.

Genug zu tun also für das gerissene Hausmädchen Toinette (Anna Zupan, Q12, in einer Paraderolle), die gar nicht daran denkt, sich ihrem Stand entsprechend bescheiden zurückzuhalten, sondern als einzige die Zusammenhänge durchschaut und mit allerlei Einfallsreichtum aktiv wird, damit am Ende jeder das bekommt, was er verdient. Mit Hilfe von Argans Schwester Béraldine (Romy Meier in ihrer dritten Rolle) schafft sie es, dass Arzt und Apotheker ihren Dienst in Argans Haus quittieren, wobei Dr. Purgon damit auch von der Verehelichung seines Neffen mit Angélique Abstand nimmt. Schließich überredet Toinette ihren Herrn, sich tot zu stellen, um herauszufinden, was seine zweite Frau einerseits und seine Tochter Angélique andererseits von ihm denken.

Zudem versäumten es die Schüler nicht, sich bei ihrer Lehrerin Maria Kölbl, welche die Theatergruppe als „Profilfach Theater und Film“ agil und mit viel Herzblut geleitet hatte, gebührend zu bedanken. Diesem Dank hatte sich bei der Premiere des Stücks auch Oberstudiendirektorin Josefa Stamm angeschlossen, die ein weiteres Mal ganz und gar beeindruckt vom Engagement, Talent und Können ihrer Schüler war.

Die Rechnung geht voll auf: Während Gattin Béline vor dem vermeintlich Toten in purer Freude triumphiert und sogleich das Erbe regeln will, verfällt Angélique in tiefe Trauer und herbe Gewissens­bisse, hat sie doch, wie sie glaubt, ihren Vater wegen ihrer Heiratsweigerung entzürnt zurück­gelassen. Von dieser Reaktion gerührt, gibt Argan ihr freie Hand bei ihren Heiratsplänen, jedoch unter der Bedingung, dass sein Schwiegersohn Arzt ist oder wird. Zwar ist Cléante durchaus gewillt, sich der Medizin zu widmen, jedoch gelingt es am Ende Béraldine und Toinette, Argan zu überzeugen, auf seine alten Tage selbst noch Arzt zu werden. Symbolisch werden ihm Kittel und Ärztemütze überreicht, denn niemand kenne sich schließlich bei Krankheiten besser aus als der eingebildete Kranke selbst.

Nach dem Schlussapplaus wartete auf das Publikum schließlich noch ein besonderes Highlight: Jetzt nämlich konnte das Liebespaar Angélique und Cléante bei Kerzenschein und Klaviermusik seine romantische Liebesballade vollenden, bei der die beiden während des Stücks von Argan ob der dabei zum Ausdruck gebrachten Gefühle irritiert unterbrochen worden sind. Argan hatte seine Tochter und ihren vermeint­lichen Musiklehrer lediglich zu Unterhaltungszwecken aufgefordert, etwas zu singen. 

Argan ( Franz-Josef Biebl) ist am Boden zerstört, als Leibarzt Purgon (Merline Heynen, r.) seine Dienste quittiert. Seine Schwester Béraldine (Romy Meier, l.) jedoch ist an der ganzen Sache nicht unbeteiligt.
Das hat der eingebildete Kranke am liebsten: Klistier-Einlauf, verabreicht von Apotheker Fleurant (Andreas Seibold, r.).
Die Schüler bedankten sich nach der gelungenen Vorstellung bei ihrer Lehrerin Maria Kölbl, welche die Theatergruppe mit viel Herzblut geleitet und damit die Hauptverantwortung für die Aufführung übernommen hatte.          

Hinter den Kulissen wirkten mit:

Maske: Sophia Mandl, Elena Müller, Mona Schober und Lara Stockbauer (Q11)

Requisiten und Bühnenbild: Kerstin Deuerling, Alexandra Moser, Meike Schüll und Anna Krenn (Q11) mit freundlicher Unterstützung des Laienspielzentrums Mainkofen mit seinem Kostüm- und Requisitenfundus

Flyer und Vorverkauf: Stefan Indre, Theresa Kneidinger und Sara Schmidhuber (alle Q11)

Finanzen und Pausenverkauf: Annalena Altendorfer und Alexandra Heidelberger (beide Q11)

Technik: Ex-Schüler Alexander Niggl sowie Robert Korn und Jonathan Fesl (beide Q12) mit dem Technik-Team des JGG

Klaviereinspiel: Mario F. Eckmüller

Souffleuse: Merline Heynen (Q11)