Geschichte in der Akademie für politische Bildung

Zum dritten Male sollte eine winterliche Schülerakademie geschichtsinteressierten Schülern der zehnten Klassen die Möglichkeit geben, sich mit einem Themengebiet besonders eindrucksvoll und intensiv auseinander zu setzen. Heuer ging es dabei um die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft: Wie kam die NSDAP an die Macht? Wie wurde der Holocaust außerhalb des Deutschen Reiches wahrgenommen und wie war es, im Nationalsozialismus zu leben? Auf diese Fragen wollten die 28 Zehntklässler tiefgreifende Antworten finden. Und sie begaben sich dazu, begleitet von Studiendirektor Christian Seidel und Oberstudienrätin Eva Straßmüller-Kovacs, drei Tage lang in die am Westufer des Starnberger Sees gelegene renommierte Akademie für politische Bildung in Tutzing.


Lernen und Diskutieren in Seminaratmosphäre: Tagungsleiter Dr. Michael Mayer informierte am ersten Tag der Schülerakademie über französische Internierungslager

Am idyllischen Tagungsort angekommen, erfolgte sogleich der Einstieg in die Thematik „Nationalsozialismus“ durch Tagungsleiter Dr. Michael Mayer. Dieser erklärte zunächst die einzelnen Schritte des Holocausts, wie Segregation und Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung, Deportation, Internierung und schließlich Vernichtung. Dieses Schema wurde auf die Vorgänge im von 1940 bis 1944 besetzten Frankreich übertragen, wobei Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Reichsgebiet erarbeitet wurden. Ebenfalls diskutiertet wurde über den heutigen Umgang mit dem Holocaust in Frankreich. Abgerundet wurde der erste Seminartag mit dem Film „Schindlers Liste“.

Referent des zweiten Tages war Dr. Roman Töppel, ein Historiker aus München. Zunächst befassten sich die Seminarteilnehmer mit dem Aufstieg der NSDAP in der Zeit der Weimarer Republik. Dabei durfte natürlich die bedeutendste Quelle dieser Zeit – Hitlers politisch-ideologische Programmschrift „Mein Kampf“ – nicht fehlen. Gerade in diesem Zusammenhang hatten die JGG-ler mit Dr. Töppel einen wahren Fachmann vor sich, war er doch mit drei anderen Geschichtswissenschaftlern an der kommentierten Edition des Werkes, welche 2016 erschienen ist, federführend beteiligt, sodass er Einblick in die Entstehung der wissenschaftlichen Fassung geben konnte, die hohem Zeitdruck und der enormen medialen Aufmerksamkeit geprägt war.

In einem weiteren Programmpunkt bekamen die Zehntklässler durch Tagebucheinträge einen Einblick in den Alltag von Wolfhilde von König, eines bei Kriegsausbruch 14-jährigen Mädchens. Dabei wurde deutlich, wie stark die NS-Politik das Denken und Handeln der Jugendlichen Tag für Tag bestimmte. Zum Abschluss des Schülerforums wurde im Rahmen eines Vortrages zu Hitlers Russland-Feldzug das militärische Scheitern und der Untergang des NS-Regimes betrachtet. Zum thematischen Abschluss wurden von allen Schülern die präsentierten Vorträge in Arbeitsgruppen zusammengefasst und die wichtigsten Informationen und Details noch einmal aufgegriffen. Anschließend machte sich die interessierte Schülergruppe mit Antworten und viel neuem Wissen im Gepäck auf die Heimreise nach Waldkirchen. Linda Baier und Elisabeth Haas (Klasse 10c)

28 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen des Johannes-Gutenberg-Gymnasiums hatten die Möglichkeit, sich im Rahmen der Schülerakademie intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander zu setzen. Mit auf dem Bild: die begleitenden Lehrkräfte Eva Straßmüller-Kovacs und Christian Seidel sowie Tagungsleiter Dr. Michael Mayer.