Exkursion nach Mauthausen

Im Rahmen der alljährlichen „Woche der Brüderlichkeit“, die heuer unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Steinmeier das Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit“ in den Mittelpunkt stellte, erkundeten die drei neunten Klassen des JGG die KZ-Gedenkstätte Mauthausen nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz. Der Ort, an dem zwischen 1938 und 1945 über 90.000 Menschen bestialisch zu Tode gequält und vernichtet wurden, verdeutlichte den Gymnasiasten auf besonders eindrucksvolle Weise die unsagbaren Gräuel der nationalsozialistischen Herrschaft.

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist heute ein internationaler Ort der Erinnerung und der historisch-politischen Bildung. Zur Vorbereitung auf die Tagesexkursion hatten sich die Neuntklässler im Geschichtsunterricht intensiv mit den Nationalsozialismus auseinander gesetzt. Dass der Besuch dann auch noch auf einen nasskalten, windigen und regnerischen Märztag fiel, verstärkte die Eindrücke vor Ort. Begonnen wurde der Rundgang durch das weitläufige Areal im Steinbruch „Wiener Graben“, der über die sogenannte „Todesstiege“ mit dem Hauptlager verbunden war. Hier mussten die zum Steinträgerkommando bestimmten Häftlinge – allesamt Menschen, die nicht ins rassische und politische Schema der Nazis passten und denen deshalb jedes menschliche Antlitz geraubt wurde – mehrmals täglich Granitblöcke über die insgesamt 186 Stufen der Treppe 31 Meter nach oben schleppen, was zu zahlreichen vorsätzlichen Unfällen und Morden an Häftlingen führte, verübt durch die SS-Wachmannschaft.

Vom Steinbruch aus konnten die Schüler auch einen Blick auf die sogenannte „Fallschirm­springerwand“ – eine zynische Bezeichnung aus jenen unheilvollen Tagen – werfen. Hierzu hatte der Mauthausen-Überlebende Publizist Simon Wiesenthal (1908-2005) geschrieben: „Juden in Mauthausen wurden selten erschossen. Für sie war der ‚Wiener Graben‘ bestimmt. An einem einzigen Tag, am 31. März 1943, wurden vor den Augen Heinrich Himmlers 1.000 holländische Juden aus einer Höhe von über 50 Metern hinuntergeworfen. Die SS nannte sie ‚Fallschirmspringer‘. Das braune Volk amüsierte sich.“  

Nachdem die JGG-Schüler, begleitet von Studiendirektor Christian Seidel und den Oberstudienräten Marcus Erlmeier und Christian Weishäupl, über die heute begradigte, aber immer noch schweiß­treibende „Todesstiege“ das eigentliche Lager erreicht hatten, folgte ein betreuter Rundgang mit Mitarbeitern der Gedenkstätte. Besichtigt wurden unter anderem Appellplatz, Häftlingsbaracken und die Gaskammer, wo mindestens 3455 Menschen durch Zyklon B mechanisch vernichtet wurden. Alle anderen Mauthausen-Opfer starben, so wurde beim Rundgang deutlich, an den Folgen von Grausamkeit, Misshandlung und Zwangsarbeit, folgte doch das einstige Lager der Devise „Vernichtung durch Arbeit“. Mauthausen galt als einziges KZ auf Reichsgebiet als Lager der Kategorie III – eine Kategorisierung, die üblicherweise aufgrund der besonders harten Lagerbedingungen nur für die großen Vernichtungslager im besetzten Osteuropa angewandt wurde.

Beim Rundgang wurde auch der Frage nachgegangen, weshalb die Bewohner des Ortes Mauthausen sowie der in Sichtweite des Lagers gelegenen Gehöfte seinerzeit das für alle sichtbare Ausmaß des Unrechts akzeptierten. Wie teils noch heute lebende Zeitzeugen berichten, habe man etwa als gewöhnlicher Bewohner des Ortes die SS-Fußballmannschaft bei ihren Heimspielen angefeuert, während im Hintergrund die Verbrennungsschlote schwelten oder uneingeschränkte Blicke auf das sogenannte Krankenlager möglich waren. Bei einer abschließenden Filmvorführung im Besucher­zentrum der Gedenkstätte wurde insbesondere auch deutlich, wie sehr die Bewohner der heute etwa 5.000 Einwohner großen Marktgemeinde immer noch mit dem Image ihres Ortes hadern.

An Ort und Stelle setzten sich die Schüler des Johannes-Gutenberg-Gymnasiums trotz widriger Witterungsbedinungen im ehemaligen KZ Mauthausen mit den Gräueltaten der Nazis auseinander. Das Bild zeigt die Klasse 9a beim betreuten Rundgang am ehemaligen Appellplatz vor den Baracken.