Bundesbank­direktor Reinhard Pfaffel am JGG

Die Schüler der 12. Jahrgangsstufe beschäftigen sich im Unterricht mit einem brandaktuellen Thema: die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Um Informationen aus erster Hand zu erhalten, hat die Fachschaft Wirtschaft und Recht dazu einen Experten ans Johannes-Gutenberg-Gymnasium eingeladen. Reinhard Pfaffel ist Direktor der Bundesbankfiliale Regensburg und damit Teil der Europäischen Zentralbank (EZB). Er referierte vor Oberstufenschülern über aktuelle Entwicklungen in der Geldpolitik. Er machte allen deutlich, dass ein Ende der ultralockeren Geldpolitik nicht in Sicht ist.

Seit Ausbruch der Griechenland-Krise überflutet die EZB die Märkte mit Geld, was als Quantitative Lockerung bezeichnet wird. Mit der von EZB-Präsident Mario Draghi durchgeführten ultraleichten Geldpolitik und dem Anleihekaufprogramm zeigte sich Pfaffel nicht glücklich. Als Begründung dafür wurde eine drohende Deflation herangezogen. Damit ist eine Abwärtsspirale mit sinkenden Preisen und Kaufzurückhaltung bei den Privathaushalten sowie Investitionsstau bei Unternehmen gemeint. Rechne man bei der gemessenen Inflationsrate die gesunkenen Energiepreise heraus, ergebe sich jedoch eine Kerninflation von durchschnittlich etwa einem Prozent. Dies sei deutlich von einem sinkenden Preisniveau entfernt.

Neben den klassischen Instrumenten der Geldpolitik brachte Pfaffel den Schülern auf anschauliche Weise auch die unkonventionellen Instrumente nahe, die die EZB derzeit einsetze. Neben dem Anleihekaufprogramm habe die Notenbank nun auch das so genannte „Forward Guiding“ eingesetzt. Während die Geschäftsbanken bisher immer über die zukünftige Geldpolitik im Unklaren gelassen wurden, macht die EZB nun Aussagen über die künftige Ausrichtung der Geldpolitik und gibt den Geschäftsbanken damit eine Orientierung. Bei der Vergabe von Krediten durch die EZB wurde seit geraumer Zeit auf Vollzuteilung umgestellt, die Geschäftsbanken erhalten also immer die gewünschte Summe.

„Was passiert mit dem vielen Geld, das die EZB in den Kreislauf gebracht hat?“, fragte Pfaffel die Zuhörer. Die unglaubliche Summe von 2,6 Billionen Euro wurde von der EZB durch das Anleihekaufprogramm in Umlauf gebracht. Leider werde damit nicht die Güternachfrage angeregt, sondern es lande bei anderen Anlageformen: Aktien, Gold, Immobilien. Es komme also nicht zu einem Anstieg der Verbraucherpreise, sondern die Vermögenspreise würden deutlich anziehen. Auch der deutsche Staat profitiere stark von der Niedrigzinsphase. Dadurch sei die Zinslast im Bundeshaushalt um jährlich 40 Milliarden Euro gesunken. Verlierer der niedrigen Zinsen seien die Sparer, deren Geldvermögen derzeit negative Realzinsen einbringt.

Bundesbankdirektor Reinhard Pfaffel referierte am Johannes-Gutenberg-Gymnasium über aktuelle Entwicklungen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank