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Die Idee zum Projektseminars „ Heimatvertriebene n96aa8f5da83e29bcfd6fa4dc5e800659.jpgach dem 2. Weltkrieg im Altlandkreis Wolfstein“

„Heimatvertriebene nach dem 2. Weltkrieg im Altlandkreis Wolfstein“ lautet das Thema, das unser Projektseminar am Anfang der 11. Klasse im Schuljahr 2011/12 wählte. Wir hatten uns die Gestaltung und Durchführung einer Ausstellung außerhalb der Schule zu dieser Thematik zum Ziel gesetzt, damit wir möglichst viele Menschen für dieses auch heute noch heikle Thema sensibilisieren können. Ungefähr 30% der Bevölkerung im Altlandkreis Wolfstein (heute Landkreis Freyung-Grafenau), der direkt an Tschechien angrenzt, waren in den 50er Jahren Heimatvertriebene, die als Fremde nach Bayern kamen und sich erst unter teils widrigen Umständen einleben mussten. Heute sind sie und ihre Nachkommen unsere Nachbarn, die aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind.

Die Idee zu diesem Projekt stammt von unserem Seminarleiter Herrn Rieger. Er wählte dieses Thema, weil er im Unterricht die Erfahrung gemacht hat, dass trotz der Verwandtschaft mit oder der Nachbarschaft vieler Schülerinnen und Schülern zu Heimatvertriebenen nur wenige über die genauen Hintergründe und Umstände der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg Bescheid wissen. Die Basis der Ausstellung sollten daher auch Biographien ortsansässiger Heimatvertriebener bilden, die es in Zeitzeugeninterviews zu erarbeiten galt.

Viele Schülerinnen und Schüler interessierten sich für das angebotene  Seminar und nahmen Teil an einer aufschlussreichen Reise in die Vergangenheit einer älteren Generation. Anfangs war der ein oder andere sehr skeptisch gegenüber der Zeitzeugenbefragung, da keiner wusste wie diese auf unsere, teilweise sehr intimen Fragen reagieren würden. Letztendlich wandelte sich aber das Bild jedes einzelnen in ein äußerst positives, da unsere Zeitzeugen große Begeisterung mitbrachten. Die Vertriebenen waren sehr erfreut darüber, dass sich junge Leute für ihr individuelles Schicksal interessieren. So war es nicht nur die Idee des Seminars, die Ausstellung zu planen und sich mit der Grundthematik zu befassen, sondern auch zwei Generationen wieder etwas näher zusammenzuführen, so dass unsere nächsten Nachbarn nicht länger Fremde sind. Für uns persönlich ging die Idee auf, als einer der Befragten nach der gelungenen Ausstellung zu uns sagte: „Jetzt glaube ich nicht mehr, dass alle jungen Menschen schlecht sind und nur Unsinn im Kopf haben!“ Auch Herr Rieger war sehr zufrieden mit uns. Im Nachhinein gesehen hat jeder von uns aus den anfänglich sehr spärlichen Einfällen, Anregungen und Ideen profitiert. Denn wir haben uns im Rahmen des Projekts nicht nur mit den trockenen Daten und Fakten beschäftigt, sondern durften diese von wahrhaftigen Zeugen der Zeit erfahren. Mit allen Details, Gefühlen und Ängsten war für uns das Lernen so lebhaft und authentisch wie noch nie zu vor. Auch die Befragten waren überaus angetan von unserer Arbeit und Ausstellung und besuchten diese auch nach der öffentlichen Eröffnungsfeier mehrmals und das nicht nur für kurze Zeit.

Die Umsetzung des Projekts

Zum Beginn des Projekts entschied sich unser Projektseminar Geschichte für eine Ausstellung als Endprodukt, wofür zahlreiche Vorbereitungen getroffen werden mussten. Dazu wurden die Seminarteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Team „Organisation“, Team „Zeitzeugen“ und Team „Archiv“.

Die erste Aufgabe bestand darin, dass das Team „Zeitzeugen“ mit Hilfe von Heimatvertriebenenverbänden  Adressen und Telefonnummern von Zeitzeugen ausfindig machen sollte, um sie dann anhand eines Fragenkatalogs zu verschiedenen Themen (wie persönliche Angaben, Situation vor und nach der Vertreibung und die Umstände und Erfahrungen während der Flucht) zu  interviewen. Nach der Befragung wurden die Erzählungen ausgewertet und schriftlich fixiert.

Zeitgleich beschäftigte sich das Team „Archiv“ mit der Anzahl, der Herkunft, der Unterbringung und der Integration der Flüchtlinge in Deutschland, dabei mit besonderem Augenmerk auf den Altlandkreis Wolfstein in der Zeit von 1945-1950. Dazu verwendete man Statistiken, Quellen und Informationstexte vom Stadtarchiv Waldkirchen,  die anschließend zu Fließtexten für die Stellwände zusammengefasst wurden. Außerdem besuchten  das Team „Archiv“ die Heimatstube Wallern in Waldkirchen und fand dort zahlreiche Dokumente und Bilder, die sich gut für die Ausstellung eigneten.

Um unser Projekt finanzieren zu können, machte sich das Team „Organisation“ auf die Suche nach geeigneten Sponsoren. Weiterhin musste ein passender Ausstellungsraum gefunden werden, der sowohl preiswert als auch groß genug für die Ausstellungsmaterialien und die Gäste war. Dazu wurde bei verschiedenen Räumlichkeiten und Museen angefragt, woraufhin wir uns schließlich für den Kunstraum Schmiedgasse entschieden, da uns dieser kostenlos zur Verfügung gestellt wurde und genügend Platz bot.

Eine weitere Aufgabe war die Gestaltung von Flyern und Plakaten, die anschließend in verschiedenen Geschäften in Waldkirchen und Umgebung verteilt wurden. Um unsere Ausstellung am 10.1.2013 an einem Eröffnungsabend präsentieren zu können, verfassten wir Einladungen, die daraufhin an unsere Sponsoren, Zeitzeugen, Vertriebenenverbände, unsere Direktorin, den Bürgermeister der Stadt Waldkirchen und die Presse verschickt wurden. Vor unserer Eröffnung besorgten wir zudem Geschenkkörbe für die Interviewpartner, die am Eröffnungsabends unserer Ausstellung überreicht wurden. Die Organisation eines Sektempfangs und Häppchen gehörte ebenfalls zu unseren Tätigkeiten. Nach der Erledigung der verschiedenen Arbeitspakete gestaltete jedes Team eine individuelle Stellwand mit ihren Endergebnissen.

 

Die Ausstellung des Projektseminars

Wir eröffneten unsere Ausstellung zum Thema Flucht und Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg am 10.01.2013 um 17 Uhr. Am  Ausstellungstag lieferte man uns kurz vor der Eröffnung von einem Sponsor bereitgestellte Häppchen. Anschließend wurden Getränke ausgeschenkt und vorbereitet.

Um 17 Uhr trafen schließlich unsere Gäste ein und konnten sich mit Sekt oder Saft einen Platz aussuchen. Zwei Mitschülerinnen unseres Seminars eröffneten den Abend mit einer kleinen Rede. Danach hielt Herr Prof. Dr. Gerhard Waschler (Bezirksvorsitzender der Union der Vertriebenen in Niederbayern) einen Fachvortrag zum Thema „Heimatvertriebene in Bayern. Was wir für die Zukunft daraus lernen können“. Daraufhin referierten wir selbst über die Themen unserer Stellwände. Dazu gehörten der allgemeine historische Hintergrund, sowie auch die Situation zur damaligen Zeit im Altlandkreis Wolfstein und die Vorstellung zahlreicher Zeitzeugenberichte. Viele der Zeitzeugen zeigten sich angesichts der bewegenden Biographien sehr gerührt. Abschließend kam unser Seminarleiter Herr Rieger auf die Bühne und berichtete unter anderem darüber, woher die Idee zu diesem Seminar-Thema stammt.

Um uns bei dem Redner und den Zeitzeugen zu bedanken, überreichten wir ihnen allen einen Geschenkkorb. Nach den verschiedenen Vorträgen bot sich für die Besucher die Möglichkeit, sich am Buffet zu bedienen und unsere Ausstellung näher zu betrachten.

Am Tag der Eröffnung konnten wir 40 Gäste begrüßen, darunter befanden sich unsere Sponsoren, der Bürgermeister, Eltern, Presse und einige andere Besucher. Auch unsere Zeitzeugen erschienen sowohl am Eröffnungsabend als auch zu zwei weiteren Terminen sehr zahlreich. Sie betonten, wie sehr sie sich freuen, dass sich auch junge Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen. An den anderen Besichtigungstagen legten wir ein Gästebuch aus, das den Besuchern ermöglichte, sich darin zu verewigen und ihre Meinung zur Ausstellung zu äußern.

Zuletzt erfolgte noch ein kleines Interview mit der örtlichen Presse, die über unsere Ausstellung berichtete und einige Fotos veröffentlichte.

Insgesamt kann man sagen, dass unsere Ausstellung ein voller Erfolg war. Man konnte sehen, dass dieses Thema auch heute noch präsent ist und dass sich viele Menschen dafür interessieren.

(von: Julia Bösl, Kerstin Jakob, Maria Nigl, Magdalena Nowak, Katharina Pongratz, Susanna Rothkopf,  Kathrin Schreiner)

Einladung für die Ausstellung 6d899a08ea48479a706239681fa32c9e.jpg
Eröffnungsrede von Julia Bösl (l) und Lena Ascher (r) 8310d72715b19098a749f05a7c503d88.jpg
Rede des Gastreferenten Prof. Dr. Gerhard Waschler 3423e06b03fd3970e149aa243d48e73c.jpg

Präsentation der Stellwände

Team: Situation im Altlandkreis Wolfstein

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Präsentation der Stellwände

Team: Zeitzeugenberichte

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Vergabe der Geschenkkörbe, als Dankeschön für befragte Zeitzeugen c49415e4eeebd79276fa1dc5d84f311f.jpg

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