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Musiktheater - "Ernst sein ist alles"

Von Christian Weishäupl

Waldkirchen. Eine weit mehr als nur gelungene Premiere: Zum einen feierte mit dem von der Q11 aufwändig und bis ins Detail perfektioniert inszenierten Stück „Ernst sein ist alles“ das Musiktheater am Johannes-Gutenberg-Gymnasium seine Premiere, zum anderen war mit der Erstvorstellung im vollbesetzten Bürgerhaus der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Schule verbunden. Und drittens: Acht schauspielerisch talentierte Schüler glänzten bei ihrem Bühnendebüt, unterstützt von zahlreichen Mitschülern im Musikensemble, im Bühnenbau, hinter den Kulissen und bei der Organisation der Veranstaltung.

Ein Stück aus dem Englischen, die im prüden viktorianischen Zeitalter spielende Komödie „The Importance of Being Honest“ des irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900), lieferte die Handlungsgrundlage für die musikalisch-schauspielerische Inszenierung. Der deutsche Titel „Ernst sein ist alles“ wurde von der auf dem Theaterstück basierenden Filmkomödie von Oliver Parker aus dem Jahr 2002 übernommen. Die daraus entstandene Aufführung des Johannes-Gutenberg-Gymnasiums war eine – im wahrsten Sinne des Wortes – konzertierte Aktion der Projekt-Seminare Deutsch, Musik und Kunst.

Während das von Oberstudienrätin Michaela Maier geleitete Deutsch-Seminar die Komödie gründlich überarbeitete und die einzelnen Rollen jugendgerecht interpretierte, fügte das Musik-Seminar von Oberstudienrat Thomas Gabriel ausgewählte Stücke aus dem Musical „Mein Freund Bunbury“ von Gerd Natschinski sowie einige selbst arrangierte Stücke ein. Für die passende Kulisse sorgte Studienrätin Sonja Högen-Lange mit ihrem Kunst-Seminar: Für die drei Akte des Stücks wurden jeweils aufwändige Bühnenbilder gestaltet. Passende Bühnenrequisite steuerte auch die Deko-Abteilung des Modehauses Garhammer bei, für die Maskenbildung wurde sogar ein Workshop in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Niederbayern organisiert. Ein „Mammutprojet“ also, das den Lehrkräften und vor allem auch von den mitwirkenden Schülern einiges an Engagement und Idealismus abverlangte, insbesondere in den letzten drei Wochen der intensiven Probearbeiten, die deutlich über die reguläre Unterrichtszeit hinausgingen. Und die Freude daran ist spürbar übergesprungen auf die gesamte Schulfamilie des JGG sowie auf das Publikum, das nicht nur bei der Premiere, sondern auch bei den zwei weiteren Aufführungen das Bürgerhaus füllte und begeisterten Beifall spendete.

Hauptakteure der drei Abende waren acht Schüler der Q11 als leidenschaftlich, charakter- und ausdrucksstark spielende Darsteller auf der Bühne, allesamt sehr textsicher sowie in passgenauen Kostümen (kostenlos zur Verfügung gestellt vom „Liederkranz Dreiburgenland e.V.“) und Frisuren auftretend: Oliver Gruber schlüpfte in die Rolle des Londoner Aristokraten und Lebemenschen Algeron Moncrieff, der sich im Laufe der Handlung alias Ernst Worthing in die bezaubernde Cecily Cardew (Luisa Gruber) verliebt. Cecilys Vormund ist der noble, aber ebenso recht leichtfüßig lebende Jack Worthing (Markus Vogl), ein Freund Algerons. Jack, der sich bei seinen dem Vergnügenden dienenden Stippvisiten in London als sein frei erfundener untugendhafter Bruder Ernst ausgibt, möchte sich mit der liebenswerten Gwendolen (Charlotte Nehring) verloben – sehr zum Missfallen von deren dominanten, resoluten Mutter, Lady Bracknell (Simone Rottler).

Sowohl Gwendolyn als auch Cecily, beide von edler, tugendsamer Erziehung geprägt und gesellschaftliche Ausschweifungen und Exzesse ablehnend, lieben ihre männlichen Pendants vor allem um eines Details wegen: Sie tragen (vermeintlich) den so viel Seriosität und Musikalität ausstrahlenden Vornamen „Ernst“. Während das Verwirrspiel seinen Lauf nimmt, kündigt sich eine weitere Beziehung an: Der ehrwürdige anglikanische Landpastor Dr. Chasuble (Johannes Wagner), der gerufen wurde, um die Nobelherren Moncrieff und Worthing auf den Namen Ernst zu taufen, damit diese die Zuneigung ihrer Liebsten nicht verlieren, kommt beim Spaziergang der konservativen Gouvernante von Cecily, Miss Prism (Nina Windorfer), näher. Zwischendurch hatte der gewissenhafte, leicht schrullig, aber umso liebenswerter spielende Jonas Krenn als Butler Merriman bzw. Diener Lane in einer Doppelrolle seine Einlagen – sehr zum Vergnügen des Publikums. Am Ende klärte sich das Verwirrspiel auf und die drei Liebespaare konnten sich – mit hochoffizieller Erlaubnis der Lady Bracknell – auf der Bühne umarmen und der immer wieder auf Facebook aktualisierte Beziehungsstatus (so viel zur modernen Bearbeitung!) musste nicht mehr geändert werden.

Besonders zu bemerken ist, dass die Akteure nicht nur als Schauspieler glänzten, sondern auch – wie im Musiktheater üblich – mit ihren Gesangs- und Tanzauftritten. Unterstützt wurden sie dabei von Anja Binder (Klasse 10c), Jonas Uhlig und Benedikt Madl (beide Q12), welche als Gesangsdouble für Jack, Algeron und Gwendolyn am Bühnenrand standen. Dazu spielte ein von Thomas Gabriel dirigiertes großes Musikensemble aus Schülern der Mittel- und Oberstufe, Lehrkräften und außerschulischen Unterstützern auf, nebenbei sorgte der ehemalige JGG-Absolvent Alexander Niggl für die passende Licht- und Tontechnik.

Nach dem großen Schlussapplaus und der musikalischen Zugabe dankte Oberstudiendirektorin Josefa Stamm als JGG-Schulleiterin allen an diesem großen Gemeinschaftsprojekt Beteiligten für das überaus große Engagement und die wahrlich gelungene Premiere. Neben den Hauptakteuren und den federführenden Lehrkräften galt ihr Dank auch den zahlreichen Sponsoren für die finanzielle und materielle Unterstützung.

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