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Theateraufführungen "Charleys Tante" am 14. und 15. Juli 2017

„Warum spielen wir, die Generation Smartphone und Online, ein Stück mit so einer verstaubten Handlung und Etikette? Weil gerade das für uns den Reiz ausmacht, weil es Spaß macht, in eine so fremdartige Welt einzutauchen“, bekannte die Theatergruppe des Johannes-Gutenberg-Gymnasiums in ihrem Programmheft anlässlich der Aufführung der Komödie „Charleys Tante“ von Brandon Thomas. Diese fremdartige Welt, das ist das England des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als ein junger Mann, verkleidet als Anstandsdame, seinen Freunden – modern gesprochen – ein Date mit ihren Angebeteten ermöglicht, welches sich zur Freude des Theaterpublikums zu einem irrwitzigen Reigen aus Verwechslungen, Notlügen und Missgeschicken entwickelte.

Engagiert und mit viel Herzblut hatte die neu formierte Theatergruppe des Waldkirchner Gymnasiums – Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 12 sowie Oberstudienrätin Michaela Maier – gemeinsam mit den vielen Helfern hinter den Kulissen auf die Premierenveranstaltung hingefiebert. Beschäftigten sich die Schüler, die „Dramaturgisches Gestalten“ als Wahl- oder Profilfach belegt hatten, zu Beginn des Schuljahres noch mit Grundübungen zu Körperausdruck und –sprache, Gestik, Mimik, Artikulation, Intonation und Improvisation, so richtete sich die Konzentration bald auf die Wahl des Stückes und dessen schülergerechte Adaption. Immerhin zählt der Klassiker zu den bekanntesten Komödien weltweit und gehörte auch im deutschsprachigen Raum über Jahrzehnte hinweg zu den meistgespielten Bühnenstücken. Nun, am Ende des Schuljahres, sollte „Carleys Tante“ 125 Jahre nach der Uraufführung im Theatre Royal, Bury St Edmunds, auch das JGG-Publikum verzücken.  

Die Handlung des Stücks, das auch durch sprachlichen Humor und schnelles Tempo zu unterhalten wusste, ist gar nicht so einfach gestrickt, wie es auf den ersten Blick aussieht: Die Studenten Jack (Yannick Lang, Q12) und Charley (Christoph Knödlseder, Q11), beide aus gut-englischem Hause und mit eigenem Dienstpersonal (Luise Eder, Q11) ausgestattet, sind in zwei hübsche Damen verliebt, Kitty Verdun (Hannah Rosenberger, Q11) und Amy Spettigue (Ekaterina Shattskaya, 10b), Mündel und Nichte des schrulligen Advokaten Stephen Spettigue (Christoph Gibis, Q11, in einer Paraderolle). Die beiden jungen Damen wollen die Freunde jedoch nur besuchen, wenn eine Anstandsdame zugegen ist, was insofern kein Problem sein sollte, als Charley just an diesem Tag seine schwerreiche Erbtante Donna Lucia d’Alvadorez aus Brasilien, die er noch nie gesehen hat, in Oxford erwartet. Die Angebeteten werden also eingeladen, doch dann trifft ein Telegramm der Tante ein: Dringende Geschäfte verzögern ihre Ankunft. Kurzerhand „überreden“ Jack und Charley ihren Studienfreund Babbs, eigentlich Lord Fancourt Babberley (Josef Zintl, Q11), in Frauenkleider zu schlüpfen und das liebe Tantchen aus Brasilien („da wo die Affen herkommen“) zu spielen.

Die Komödie kommt spätestens dann voll in Fahrt, als sowohl Jacks Vater Colonel Sir Francis Chesney (Jimmy Weber, Q11, der kurzerhand für einen erkrankten Mitschüler einspringen musste und seine Rolle souverän meistere), als einstiger Offizier der Armee in Indien ein Mann höchsten militärischen Ranges, als auch der alte Advokat Spettigue ein Auge auf das falsche Tantchen werfen, ja mehr noch: in heißer Liebe entbrennen (allen voran Spettigue!) und ihr einen Heiratsantrag machen. Als dann auch noch die richtige Tante (Patricia Beinbauer, Q11) zusammen mit ihrem Pflegling Ela Delahay (Vanessa Berlinger, Q11), die ihrerseits bei einer früheren Begegnung in Monte Carlo ein Auge auf Babbs geworfen hat, eintrifft, scheint in den Augen der beiden Studenten die Katastrophe unausweichlich. Doch das Stück wäre keine Komödie, hätte nicht alles ein Happy End: Schlussendlich nämlich finden nicht nur die drei jungen Paare, sondern auch Donna Lucia und Colonel Chesney zueinander. Nur der liebestolle Spettigue geht leer aus, jedoch hat ihm die falsche Tante schon vor der Aufdeckung des Verwirrspiels seine Einwilligung in die Heirat seiner beiden Mündel abtrotzen können.  

Die Schülerinnen und Schüler schafften es, ihr Publikum in zwei Veranstaltungen über zwei Stunden lang zu amüsieren. Der ganzen Theater-Crew zollte Oberstudiendirektorin Josefa Stamm am Schluss der Premierenaufführung allerhöchsten Respekt, dass es gelungen war, eine Inszenierung dieser Größenordnung zu realisieren. Beeindruckt war die Schulleiterin vor allem von der Bühnensicherheit der jungen Akteure: Souffleuse Tamina Fürlinger (Q11) war nahezu arbeitslos. Stamm hob besonders auch die tolle Theaterkulisse hervor: Die Bühne, die in der Turnhalle aufgebaut war, wurde erst kürzlich erworben und unter Mithilfe zahlreicher Hände zu einer Theaterbühne ausgestatt, die passende Requiste konnte durch die großzügige Unterstützung des Kultur- und Theatervereins „Alte Schule“ Jandelsbrunn und des Dekorationslagers des Modehauses Garhammer bereitgestellt werden.

Die Kostüme, die sich wie die Bühnenausstattung passgenau in den Geist des alten Oxford einfügten, wurden durch Unterstützung von Andrea Lang  und des Tittlinger Liederkranzes „Dreiburgenland“ perfektioniert, Dipl. Make-Up Artist Isabell Knödelseder und die Parfümerie Haller sorgten zusammen mit einigen Schülerinnen der zehnten Klassen und der Q11 für eine authentische Maske, Ex-JGG-ler Alexander Niggl war für die Licht- und Tontechnik verantwortlich. Gesamtleiterin Michaela Maier fiel ein Stein vom Herzen, dass dieses erste eigenständige Bühnendebüt ihrer Theatergruppe ein so grandioser Erfolg wurde. Sowohl Regisseurin als auch Schauspieler und Hintergrundhelfer wissen aber auch: „Charleys Tante“ machte Lust auf mehr!       

Fotos: Weishäupl


 
 
 
Es hätte alles so harmonisch laufen können, doch die wohlerzogenen Mädchen Kitty Verdun (re.) und Amy Spettigue (li.) wollen nur zum Lunch bleiben, wenn ihre Verehrer, die beiden liederlichen Studenten Jack und Charley, mit einer Anstandsdame aufwarten können.   Eigentlich sollte sich der nichtsahnende Offizier Chesney (Jimmy Weber, v.l.n.r.) um die falsche Tante (Josef Zintl) kümmern, damit sich die Paare Amy (Ekaterina Shattskaya) und Charley (Christoph Knödelseder) bzw. Miss Verdun (Hannah Rosenberger) und Jack (Yannick Lang) näherkommen können, doch dann platzt plötzlich der liebestolle Advokat Spettigue (Christoph Gibis) herein.
     
     
Und als schließlich die echte Donna Lucia d’Alvadorez (Patricia Beinbauer, 2.v.l.) aus Brasilien eintrifft, droht das ganze Spiel um „Charleys Tante“, die von Offizier Chesney (li.) und dem Spettigue (re.) heftig hofiert wird, aufzufliegen.   Oberstudiendirektorin Josefa Stamm würdigte am Ende der Theaterpremiere das außerordentliche Engagement und die souveräne Leistung der Theatergruppe, egal ob auf oder hinter der Bühne. Blumen gab’s für Gesamtleiterin Michaela Maier (6.v.r.).

 

 

 

 

 

 

 


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